Konzeption des

Weiterbildungsstudienganges

FRAUENAKADEMIE

an der Volkshochschule Schwäbisch Hall

 

Präambel

 

Der Studiengang „Frauenakademie“ ist ein wissenschaftsorientiertes Weiterbildungs-angebot für Frauen in Trägerschaft der Volkshochschule Schwäbisch Hall. Er entstand in Anlehnung an den Weiterbildungsstudiengang „Frauenakademie“ an der Ulmer Volkshochschule. Dessen Konzeption und wissenschaftliche Begleitung wurden am Seminar für Pädagogik der Universität Ulm unter der Leitung vom AOR Carmen Stadelhofer erarbeitet.

 

Für die Frauenakademie Schwäbisch Hall gelten folgende Zielvorstellungen:

  • „Erweiterung der Sach-, Handlungs- und Kommunikationskompetenzen
  • Erweiterung der Allgemeinbildung unter Einbezug frauenspezifischer Forschungsergebnisse
  • Erkennen der persönlichen Lebenssituation im Zusammenhang der gesellschaftlichen Bedingungen
  • Entwicklung von Kompetenzen zur Erleichterung des beruflichen Wiedereinstiegs bzw. der Teilnahme an berufsqualifizierenden Maßnahmen
  • Qualifizierung der Teilnehmerinnen für die Übernahme neuer Aufgaben und Tätigkeitsfelder (...)“

 

(zit. nach: Carmen Stadelhofer u. a.: Zwischen Reflexion und Einmischung.

 

Abschlußbericht der wissenschaftlichen Begleitung zum Modellversuch „Frauenakademie“

Wissenschaftsorientierte Weiterbildung von Frauen als Vorbereitung auf neue Aufgaben und Tätigkeitsfelder“. Mössingen-Talheim 1994, S. 51)

 

I. Studienordnung

 

§1 Dauer des Studiums

 

Das Weiterbildungsangebot „Frauenakademie“ erstreckt sich in der Regel über sechs Semester. Auch eine kürzere oder längere Studiendauer kann für einzelne Frauen sinnvoll sein. Die Teilnehmerinnen schreiben sich zu Beginn jeden Semesters neu ein.

 

§2 Aufbau des Studiums

 

Das Studium an der Frauenakademie gliedert sich in zwei Phasen:

In eine zweisemestrige Orientierungsstufe und in eine viersemestrige Hauptphase.

Der Unterricht findet an zwei Vormittagen à 4 Unterrichtseinheiten statt. Die Teilnahme nur an einem Vormittag ist möglich.

 

Für die regelmäßige Teilnahme an den einzelnen Studieneinheiten sowohl in der Orientierungsphase als auch in der Hauptphase werden Teilnahmebestätigungen ausgestellt, die nach Art der erbrachten Studienleistung unterschieden werden (siehe § 4).

 

(1) Orientierungsstufe

 

Die ersten zwei Semester dienen der Orientierung. In diesem ersten Studienabschnitt besteht für die gesamte Gruppe ein fester Stundenplan. Die regelmäßige Teilnahme am Programm der beiden Semester der Orientierungsstufe ist Voraussetzung für die Teilnahme an der Hauptphase.

 

(2) Hauptphase

 

a. In der viersemestrigen Hauptphase erstellen sich die Teilnehmerinnen ihren individuellen Stundenplan aus einer Reihe von Lehrangeboten. Verschiedene Themen werden als Bausteine angeboten.

b. Ein Baustein besteht aus zwei zusammenhängenden Unterrichtseinheiten à 45 Minuten pro Woche.

c. Zur Hauptphase gehört die Teilnahme an mindestens einem Projekt. Im

Projekt soll selbstständig in einer Gruppe gearbeitet werden. Struktur und angestrebtes Ergebnis des Projekts werden zu Beginn der Projektarbeit formuliert.

d. Die Projektarbeit kann in Zusammenarbeit mit Institutionen und Gruppen außerhalb der Frauenakademie stattfinden.

 

(3) Zusätzliche Veranstaltungen

 

Im Lauf der sechs Semester können zusätzliche Wochenend- und Abendveranstaltungen im Rahmen der Frauenakademie angeboten werden.

 

(4) Abschluss

 

Den Abschluss der Frauenakademie regelt die Abschlussordnung (siehe II.)

 

§3 Inhalt

 

Die Frauenakademie ist eine qualifizierte Fortbildung, die Allgemeinbildung mit Methodenkompetenz und persönlicher Standortbestimmung verknüpft.

 

Exemplarisch werden im Kursangebot der Frauenakademie insbesondere Themen aus folgenden Bereichen aufgegriffen:

  •  Politik, Ökonomie, Geschichte, Literatur, Soziologie, Philosophie, Psychologie,
  •  Naturwissenschaften, Ökologie, Kunst, Kommunikation, Körpererfahrung, Reflexion u. a.

 Dabei werden die Inhalte nach folgenden Kriterien ausgewählt:

  • feministische, soziale, kritische und fachwissenschaftliche Relevanz
  • Bezug zur Lebenswelt der Frauen
  • gesellschaftliche und individuelle Zukunftsorientierung
  • Problemlösungs-, Innovations- und Qualifikationspotentiale

 

In der Orientierungsphase wird neben der Bearbeitung gesellschaftlich relevanter Fragestellungen (unter dem Blickwinkel der Geschlechterfrage) angestrebt, die Methodenkompetenz der Teilnehmerinnen zu erweitern und ihnen Räume zur Selbstreflexion und persönlichen Standortbestimmung anzubieten.

 

In der Hauptphase ist das Angebot teils konkreter und anwendungsbezogener, teils spezieller und vertiefender. Über Gewichtung und Schwerpunktbildung entscheidet jede Teilnehmerin für sich.

 

§ 4 Leistungsnachweis

 

Die Teilnahmebestätigungen, die im Verlauf des Studiums erworben werden

können, unterscheiden sich nach Art der erbrachten Studienleistung.

 

(1) Teilnahmescheine

Teilnahmescheine dokumentieren die kontinuierliche Teilnahme an einer Studieneinheit über ein Semester hinweg. Es wird eine Teilnahme an mindestens 80% der Unterrichtseinheiten zur Vergabe eines Teilnahmescheines vorausgesetzt.

 

(2) Qualifizierte Scheine

Die Teilnehmerinnen erhalten einen qualifizierten Schein, wenn sie regelmäßig an einer Studieneinheit teilgenommen und ein Referat, eine Präsentation oder eine schriftliche Hausarbeit erstellt haben. Diese können auch in der Gruppe erarbeitet werden.

 

(3) Projektscheine

Projektscheine bestätigen die Mitarbeit an einem Studienprojekt bis zum Projektergebnis.

 

Ausnahmeregelungen sind nach Absprache möglich.

 

II. Abschlussordnung der Frauenakademie an der Volkshochschule Schwäbisch Hall

 

§ 1 Bescheinigte Teilnahme

 

Die Frauenakademie ist ein offenes Weiterbildungsangebot, das möglichst vielen Frauen zugänglich sein soll.

 

Die Teilnehmerinnen können ihr Weiterbildungsstudium gemäß ihrer persönlichen Lebenssituation individuell gestalten. Die Frauenakademie kann jederzeit beendet werden. Der Erwerb von Leistungsnachweisen und dem Zertifikat wird zwar jeder Teilnehmerin empfohlen, ist jedoch nicht verpflichtend.

 

Eine gesonderte Teilnahmebescheinigung mit einem persönlichen Studienbericht wird nach dreijähriger Teilnahme des Weiterbildungsangebotes ausgestellt. Der persönliche Studienbericht protokolliert tabellarisch die besuchten Studieneinheiten.

 

§2 Zertifikat der Frauenakademien im VHS-Verband Baden-Württemberg

 

1. Zweck des Zertifikats

 

Mit dem Zertifikat weist die Teilnehmerin nach, dass sie im Rahmen des Weiterbildungsstudiums Frauenakademie vertieftes Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten erworben hat und diese angemessen dokumentieren und präsentieren kann.

 

2. Voraussetzungen für das Zertifikat

 

Ein Zertifikat kann erwerben,

 

  • wer am Studienprogramm mit insgesamt 600 Unterrichtseinheiten ordnungsgemäß, d. h. mindestens 80 % teilgenommen hat. Das Studienprogramm beinhaltet in der Regel eine zweisemestrige Orientierungsstufe sowie ein viersemestriges Hauptstudium.
  • wer an der »Methodenwerkstatt“ bzw. „Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten" sowie einem Baustein mit speziellem frauenspezifischen Schwerpunkt teilgenommen hat.
  • Wer vier qualifizierte Scheine und einen Projektschein erworben hat.

 

Auf dem Zertifikat wird die Summe der gesamten absolvierten Unterrichtseinheiten im Grund- und Hauptstudium benannt.

 

3. Zertifikat mit besonderer Leistung

 

Es ist darüber hinaus möglich ein Zertifikat mit besonderer Leistung (z. B. ausführliche schriftliche Arbeit) zu erlangen. Das Thema der Arbeit wird auf der Zertifikatsurkunde benannt.

 

Die Anmeldung der Abschlussarbeit erfolgt bei der Leitung der Frauenakademie.

 

Die Abschlussarbeit kann alleine oder in einer Gruppe gefertigt werden.

 

Das Thema der Arbeit wählt die Teilnehmerin bzw. die Arbeitsgruppe in Absprache mit der Leitung der Frauenakademie und einer Dozentin/einem Dozenten, die/der die Betreuung der Arbeit übernimmt. Ein Exemplar der fertigen Abschlussarbeit verbleibt bei der Frauenakademie.

 

4. Formen der Abschlussarbeit

 

Als Form der Abschlussarbeit kann gewählt werden zwischen

 

  • - einer schriftlichen Arbeit
  • - einer öffentlichen Präsentation.

 

Der Umfang der schriftlichen Arbeit wird mit der/dem betreuenden Dozentin/Dozent abgesprochen. Als Orientierungsrahmen für eine Einzelarbeit gelten 20 bis 25 Manuskriptseiten. (1 Manuskriptseite = 3000 Anschläge).

 

Neben der schriftlichen Arbeit sind auch andere Formen möglich, wie z.B. Videofilm, Planung und Leitung von Veranstaltungen und Ausstellungen, Radiosendungen, künstlerische Darbietungen usw. Auch diese Formen der Abschlussarbeit werden in Absprache mit der Leitung und einer Dozentin/einem Dozenten ausgewählt und von dieser/diesem betreut.

 

Bestandteil dieser Formen ist eine öffentliche Präsentation der Arbeit.

 

§3 Inkrafttreten

 

Diese Abschlussordnung tritt zum Wintersemester 95/96 in Kraft, verändert zum Sommersemester 2007 in gemeinsamer Absprache mit den Frauenakademien an den Volkshochschulen in Baden-Württemberg.

 

Studienordnung
neu_Konzeption_FA.docx
Microsoft Word Dokument 58.1 KB